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Mondfinsternis (Blutmond) 27.07.2018

 

 

Was für eine Aufregung, was für eine Euphorie, sämtliche Medien berichteten von diesem bevorstehenden Ereignis. Live-Streams, Führungen an Sternwarten, Großversammlungen auf allen möglich hochgelegenen Halden im Ruhrgebiet, für den guten Blick quer über den Horizont. An diesem Abend fanden überall wahre Völkerwanderungen statt. Natürlich habe auch ich mich von dieser Euphorie anstecken lassen und hatte mir schon einen Abend vorher einen recht geeigneten Platz, für die Mondfinsternis, ganz bei mir in meiner Nähe gesucht.

Es war meine erste Mondfinsternis, die mir am 27.07.2018 bevorstand. Meine Vorfreude war dementsprechend groß. Im Internet konnte man nicht nur überall von diesem großen bevorstehendem Ereignis lesen, es gab auch viele Ratschläge und Tipps, wie man die Mondfinsternis am besten fotografieren kann. Da ging es um Teleobjektive am besten mit 400mm, Stativ, Fernauslöser, die Belichtungszeit soll so kurz wie möglich gehalten werden, die Isowerte sollen so tief wie möglich gehalten werden, manuelle Fokussierung, der Weißabgleich soll auf Tageslicht, bzw. Sonne eingestellt werden, es wurden ziemlich genaue ISO Werte und Blendeneinstellungen angegeben, und, und, und . . .

Ich wollte mich natürlich auch "perfekt" auf diese Mondfinsternis vorbereiten, und studierte die Ratschläge und Tipps zur Mondfotografie. Ich übernahm einige vorgeschlagene Einstellungen und stellte diverse Parameter an meiner Kamera manuell ein. Man musste vor allem eines bei dieser Mondfinsternis bedenken und beachten, schon beim Mondaufgang befand sich dieser im Erdschatten und war somit nur schlecht von der Sonne beleuchtet. Nur die roten Strahlen der Sonne erreichten ihn sehr schwach durch die Atmosphäre. Dadurch bekam der Mond sein rotes Aussehen (Blutmond)

Dann war es soweit:

Schon eine Stunde vor der Sichtbarkeit des Mondes bei uns in Castrop-Rauxel, waren wir an unserem sorgfältig ausgesuchten Platz und warteten gespannt auf das was da kommen würde. Es war kurz nach 22:00 Uhr, als wir unseren Erdtrabanten am Himmel entdeckten.

Was für eine Enttäuschung, der Mond gab nur einen Hauch von rötlichem Schein am Himmel ab und war nur sehr, sehr schlecht zu erkennen. Ich ging alle Einstellungen meiner Kamera durch, alles was ich im Internet gelesen hatte. Doch meine Bilder blieben alle schwarz. Die Leuchtkraft des Mondes war einfach zu schwach. Man konnte ihn auch nicht als Ganzes erkennen, es schimmerte immer nur ein Teil des Mondes in einem ganz schwachem Rot.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon ein wenig angesäuert, weil es mir nicht gelang den Mond in seinem roten Gewand auf die Speicherkarte zu bannen. Alle meine bisherigen Mondbilder (siehe hier auf meiner HP) sind im Automatik-Modus meiner Kamera entstanden. Doch bei dieser Mondfinsternis versagte der Automatik-Modus auf der ganzen Linie. Die Kamera konnte kein Ziel am Himmel erfassen, der Mond war einfach zu dunkel.

Dann die rettende Idee, da es mit all den diversen Einstellungstipps aus dem Internet nicht klappte, schaltete ich meine Kamera auf Szenen-Modus. Versuchte es zuerst mit "Mond", auch das ging schief. Dann wählte ich einen anderen Modus und siehe da, es klappte! Nur musste ich beim ranzoomen aufpassen. Je mehr ich zoomte, umso mehr verschwand die Schärfe. Irgendwann fand ich ein gutes Mittelmaß und so sind folgende drei Bilder im "Nachtaufnahmen" Modus enstanden.

 

Sehr, sehr dunkel zeigte sich der Mond während seiner Reise durch den Erdschatten.

 

Irgendwann später wurde der Mond für ein paar Augenblicke zunehmend deutlicher und heller am Himmel. Das war wohl der Moment, als er die Grenze zwischen Kernschatten der Erde und nicht Schatten erreicht hatte. Oder es lag an der Nacht, je dunkler sie war, umso besser leuchtete der Mond in seinem roten Gewand.

 

Von da an ging's bergauf :-) Es gelangen mir ein paar Bilder, wie der Mond aus dem Kernschatten der Erde wanderte. Während die linke Seite des Mondes sehr gut sichtbar blieb und immer mehr und greller wurde, verdunkelte sich die rechte Seite des Mondes und das leuchtende Rot verabschiedete sich zunehmend. Und just in diesem Moment, versagte meine Einstellung "Nachtfotografie". Die linke Seite des Mondes die schon aus dem Kernschatten war, leuchtete sehr intensiv, was daraufhin zu einer starken Überbelichtung der linken Mondseite führte, was dann so aussah:

 

 

 

 

 

Da ich aber auf solche Bilder keinen Bock hatte, bin ich dann doch nochmal auf manuelle Einstellungen zurück gegangen und probierte dieses und jenes aus. Denn jetzt war ja endlich wieder was zu sehen am Himmel, die linke Seite des Mondes war ja richtig hell erleuchtet . . .

Mit folgenden manuellen Einstellungen sind dann die drei Bilder entstanden, wie der Mond den Kernschatten der Erde verlässt.

 

Durch diese manuellen Einstellungen nahm die Kamera jetzt leider nicht mehr die abgedunkelte rote Seite des Mondes mit auf, sie verschwand beim Fotografieren ins Nirwana :-) aber immerhin waren die starken Überbelichtungen verschwunden und die linke Mondseite sah doch nun recht manierlich aus :-)


Der Mond verlässt das Schattenreich der Erde :-)

Je weiter/mehr der Erdschatten auf der Mondoberfläche verschwand, umso sichtbarer wurde der Mond wieder, in seiner üblichen Farbe. Der Zauber des Blutmondes war vorbei.

 

Fast geschafft . . . :-)

 

Und hier haben wir ihn wieder, unseren guten alten Mond :-) So wie wir ihn gewohnt sind in seiner normalen und üblichen Erscheinung am Nachthimmel.

Die letzten beiden Bilder hier, dann wieder im Automatik-Modus. So wie ich den Mond in diesem Modus für üblich immer fotografiere. Ob Halbmond, Sichel, Vollmond, Zunehmend oder Abnehmend.

Fazit: Es war wirklich ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Auch den Mars konnte man gut und deutlich etwas unterhalb des Mondes sehen. Er tauchte pünktlich wie von den Experten angekündigt exakt an der Stelle auf, wie vorher gesagt. Die ISS konnten wir ebenfalls am Himmel sehen und das sogar zweimal. Einmal während der Phase der Mondfinsternis und einmal als die Mondfinsternis schon zu Ende war. Da befanden wir uns schon wieder zurück vor der Haustür. Auch sonst waren viele Sterne in dieser klaren Nacht am Himmel zu sehen. Von Sternenkunde habe ich nicht viel Ahnung, aber den großen Wagen, den konnte ich entdecken und auch als solchen erkennen :-)

Und last but not least: Diese Mondfinsternis auf den Speicherchip zu bannen, war bisher die größte Herausforderung in meiner Hobbyfotografie. Und eines habe ich daraus gelernt: Verlasse Dich nie auf andere, wenn die vielen Foto-Tipps auch gut gemeint sind/waren, im Endeffekt liegt es immer an einen selbst, wie man die jeweilige Situation meistert. Mir haben die Tipps aus dem Internet nicht geholfen. Es gibt auch keine "Standard-Kamera-Einstellungen" für keinen Bereich in der Fotografie, man muss selber tüfteln und ausprobieren. Da kann ich ja froh dabei sein, dass ich eine Mondfinsternis erwischt hatte, die außergewöhnlich lang war :-) So hatte ich genug Zeit um zu experimentieren :-)