Exotische Wasserschildkröten - ausgesetzt in unseren Teichen und Seen

 

Als „kleine“ Jungtiere in Zoohandlungen gekauft, in Gartenteichen oder Aquarien gehalten und später dann irgendwann, als sie „leider“ zu groß wurden, irgendwo draußen in irgendwelchen Teichen ausgesetzt und sich selbst überlassen. So schnell schafft man sich „größer werdende“ Probleme vom Hals. Die Rede ist hier von exotischen Wasserschildkröten, deren ursprüngliche Heimat auf einem ganz anderen Kontinent liegt. Bei den ausgesetzten Tieren handelt es sich oftmals um Schmuckschildkröten die im Laufe ihres Wachstums eine recht stattliche Größe erreichen. Sie werden so groß, dass der Gartenteich oder das Aquarium ab einem gewissen Zeitpunkt für eine artgerechte Haltung von Wasserschildkröten nicht mehr ausreichend Platz bietet. Was nun tun? Das ist doch ganz einfach: Ab in den nächsten Teich mit diesen so groß gewordenen Wasserschildkröten, dort haben sie jede Menge Platz!

Viele Besitzer, die ihre Schildkröten aussetzen, sind sogar der Meinung, sie tun ihren Tieren mit der Aussetzung in die „Freiheit“ etwas Gutes. Aber das ist falsch! Einigen ausgesetzten Schildkrötenarten gelingt es zwar die kalten Winter in Deutschland zu überleben, aber es gibt auch empfindlichere Arten, die bei dem ersten Kältereinbruch elendig verrecken. Die, die es geschafft haben zu überleben, haben auch gelernt sich dem neuen Klima anzupassen und wissen sich zu ernähren. Und ab hier wird das ausgesetzte, exotische und nicht heimische Tier zum Problem. Diese „fremden“ Wasserschildkröten plündern den Laich von (geschützten) Amphibien und jagen auch ausgewachsene Frösche und Molche. Wasserschildkröten haben kein wirkliches Sättigungsgefühl, sie fressen so viel, wie sie kriegen können und werden "nimmersatt".

Der Bestand an ausgesetzte Wasserschildkröten in unseren heimischen Gewässern ist alles andere als gering. Immer wieder und eigentlich überall hier bei uns im Ruhrgebiet gibt es immer wieder neue Meldungen von gesichteten Exoten. Nur allein in NRW kommt man auf die geschätzte Zahl von mehreren Tausend erwachsenen Tieren. Schmuckschildkröten sollen mittlerweile flächendeckend im Ruhrgebiet verbreitet sein. Bisher liegen noch keine gesicherten Hinweise auf eine „natürliche“ Vermehrung der exotischen Wasserschildkröten vor, so wächst die Population der Wasserschildkröten gegenwärtig zwar „nur“ durch weitere ausgesetzte Tiere, aber das dann leider immer wieder und immer wieder vermehrt. Dieser unnatürlich vermehrte Zuwachs an exotischen Wasserschildkröten in Deutschlands heimischen Gewässern, verdrängt auch die schon sehr selten gewordene Europäische Sumpfschildkröte immer mehr. Der Bestand der Europäische Sumpfschildkröte ist potenziell gefährdet und sie wird in der Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

So schlimm der Schaden auch ist, den sie anrichten . . . , diesen ausgesetzten Wasserschildkröten trifft absolut keine Schuld. Sie können nichts dafür, es sind Tiere, Tiere die einfach nur überleben wollen, wie alle anderen Tiere auch. Wer beim Aussetzen dieser Tiere erwischt wird muss mit einer Geldbuße bis zu 10 000 Euro rechnen. Auch das Tierschutzgesetz ahndet dieses Vergehen und zwar mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro! Doch leider schrecken diese Geldstrafen nicht ab. Es wird weiterhin munter ausgesetzt. Da diese ausgesetzten Tiere in der Regel nicht gechipt sind, werden die Besitzer meist nicht ausfindig gemacht.

 

Wasserschildkröten, so niedlich sie auch als Babyschildkröten sind (sie sind nicht viel größer als ein 5DM Stück), sie wachsen relativ schnell und erreichen eine Größe bis zu 40cm, je nach Art auch etwas größer oder etwas kleiner. Sie können bis zu 50 Jahre alt werden! Diese Info sollte ganz groß in jeder Zoohandlung, die Wasserschildkröten verkauft, auf einem Schild zu sehen und zu lesen sein!

 

Anmerkung:

Diese beiden Wasserschildkröten habe ich bei uns in Castrop-Rauxel gesehen (August 2018) Sehr wahrscheinlich eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte und eine Rotwangen-Schmuckschildkröte. Es waren leider nicht die einzigen Exemplare, die ich im Sommer 2018 sichten konnte.